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Marionette

Ist die Angst besiegbar?

BETRACHTUNG

Coren McGirr

2/5/20264 min read

Kommentar des Autors: Dieses Schreiben befasst sich mit dem Thema der Angst, nicht dem der Furcht. Der Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen liegt darin, dass Furcht eine Reaktion auf eine konkrete, gegenwärtige Bedrohung ist, während Angst ein Zustand des Unbehagens aufgrund einer möglichen oder antizipierten Gefahr ist.

Die Angst ist zweifelsohne eine der treuesten täglichen Begleiter des Menschen.

Die Person, die sich dessen bewusst ist, kämpft mit allen Mitteln gegen die Vorherrschaft der Angst.

Die Person, die sich dessen aber unbewusst ist, ist als Marionette in den Händen der Angst gefangen.

Die Angst ist ein gewaltiger Gegner und ein skrupelloser Marionettenspieler.

Kann man sie jemals besiegen?

Kann man sich jemals von ihren Fesseln losreißen?

Und noch wichtiger: Sollte man dies überhaupt versuchen?

Um diesen Fragen ordentlich auf den Grund gehen zu können, müssen wir uns zunächst mit der Angst selbst auseinandersetzen.

Was ist sie eigentlich?

An dieser Stelle möchte ich zwei leicht gewagte Behauptungen aufstellen:

  1. Angst ist eine Vorstellung.

  2. Angst ist die Kapitulation vor der Verantwortung.

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-Chisel&Feather

Ist Angst womöglich nur die Vorstellung einer Zukunft, die nicht meinem Willen entspricht?

Erstens: Angst ist eine Vorstellung, weil sie die Antizipation unangenehmer Geschehnisse ist, die meinem Willen nicht entsprechen.

Einfach ausgedrückt: „Ich glaube, es wird etwas passieren, das mir nicht gefällt; deshalb verspüre ich Angst.“

So ist vor allem das Ungewisse einer der besten Bewahrer der Angst, denn in der Ungewissheit hat die Vorstellungskraft des Menschen keine Anhaltspunkte. Somit können in den Gedanken tausende mögliche Szenarien entstehen, in denen sich Angstvorstellungen bewahrheiten können.

Und doch bleibt die Angst eine Vorstellung; eine Antizipation der Zukunft, die noch ungewiss ist.

Und so leiden zu viele mehr an ihren eigenen Vorstellungen als an der Realität.

Zweitens: Angst ist die Kapitulation vor der Verantwortung, weil der Mensch im Zustand der Angst seine Handlungen und Entscheidungen ihr überlässt.

Einfach ausgedrückt: „Ich bin überwältigt und schaffe das nicht. Liebe Angst, würdest du das bitte für mich regeln?“

Und weil die Angst, wie gesagt, ein skrupelloser Marionettenspieler ist, schiebt sie all das zur Seite, was sie aufhalten könnte (Empathie, Tugendhaftigkeit, Ehrlichkeit) und versichert so das Überleben der Person, seiner Marionette. Dies kann durch egoistisches Handeln oder durch das Ausbleiben von Handlung passieren. Die Angst schützt einzig und allein das Leben (und womöglich das Ego) seiner Marionette.

Und so kommt es, dass viele der grausamsten Verbrechen des Menschen gegen die Menschheit von der Angst veranlasst werden.

Nun, sollten diese beiden Beobachtungen wahr sein, wäre die logische Folgerung, dass Angst eine Art „Schutzeinrichtung“ ist.

Ja, die Angst ist eine Schutzeinrichtung: Sie verteidigt nicht das, was der Mensch zu schätzen glaubt, sondern das, was er tatsächlich über alles andere stellt… und alles andere wird im Namen dieses höchsten Wertes geopfert.

Es wird oft behauptet, dass in schwierigen Situationen das Wahre im Menschen zum Vorschein tritt. Diese Aussage scheint auf den ersten Blick eine etwas harte Verurteilung des menschlichen Seins zu sein; dennoch stimme ich ihr zu – eben wegen der Angst.

Die Angst reißt einem jegliche Maske vom Gesicht. Sie lässt jene Qualitäten verstärkt aufkommen, die bereits im Charakter einer Person vorhanden waren.

Schauen wir uns ein Beispiel an, um dies ein wenig bildlicher darzustellen:

Betrachten wir das allzu bekannte Phänomen „Stress in der Arbeit“. Stress wird durch Angst ausgelöst. Er entsteht durch Antizipation. „Wenn das nicht rechtzeitig fertig wird/gut läuft etc., dann…“

Die Vorstellung ist, dass die antizipierten Folgen unangenehm sein werden und daher lieber vermieden werden sollten. Stress entsteht. Man wird unfreundlicher, ungeduldiger, leichter verärgert und man ist eher dazu geneigt, die Stimme zu erheben.

An dieser Stelle hat die Angst schon gewonnen. Freundlichkeit und Geduld wurden geopfert, um etwas zu sichern, das unbewusst als wichtiger empfunden wurde (Erfolg, ein Kunde, eine Gehaltserhöhung, Status, Ego etc.).

In den meisten Fällen scheint die Angst das Primitivste im Menschen hervorzurufen. Der Mensch priorisiert im Angstzustand sein eigenes Überleben – sowohl im wortwörtlichen Sinne als auch auf gesellschaftlicher und identitätsbezogener Ebene. Die Angst kämpft anstelle ihrer Marionette: um den Erhalt des Status. Um den Erhalt des Egos.

Die Opfer der Angst sind dann die Moralität, die Tugendhaftigkeit und die Selbstlosigkeit. Diese Eigenschaften, die den Menschen zu etwas Höherem ausmachen, werden von der Angst ins Exil verbannt.

Wir kommen jetzt auf die ursprünglichen Fragen zurück…

Kann man die Angst jemals besiegen?

Kann man sich jemals von ihren Fäden losreißen?

Und wie wichtig ist es, das zu machen?

…Schick mir gerne deine Gedanken zu diesem Thema!

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Stress in der Arbeit? - Oder vielleicht doch eher: Angst in der Arbeit?

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